Die erstaunliche Vielfalt des Lebens
Die spektakulären Erkenntnisse eines Zeitzeugen
 
 
25. August 2005

Eine kleine Anmerkung zu Katrina und Co.

A:

Die amerikanische Regierung folgt bei der Auswahl ihrer "optimalen" Klimaschutzstrategie den Empfehlungen der sog. Kosten-Nutzen-Analyse [ KNA » ]. Die KNA berechnet, wieviel uns die Klimaschäden (inkl. Menschenleben) kosten, wenn wir eine bestimmte Summe für Klimaschutz ausgeben. Das "Optimum" liegt dort, wo die Summe der beiden Kosten minimal ist [ Bild » ].

Unter dieser Vorgabe empfiehlt die KNA, so spät wie möglich Klimaschtuzmaßnahmen zu ergreifen, erstens weil davon ausgegangen wird, dass spätere Generationen viel reicher sind als wir (das Bruttosozialprodukt steigt), zweitens weil man ja heute nur ganz wenig Geld auf einem Konto anlegen muss, und man in 100 Jahren mit den Zinsen und Zinseszinsen die dann entstandenen Klimaschäden locker bezahlen kann.

Das ist der Grund, warum die USA das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet haben. Denn das Kyoto-Protokoll sieht vor, dass schon heute Geld für den Klimaschutz ausgegeben wird, anstatt abzuwarten.


B:

Der Hurrikan "Katrina" ist nicht der erste Hurrikan, der Nordamerika heimsucht, und man kann seine Entstehung sicher nicht oder nur zu einem sehr kleinen Teil dem antropogen verschuldeten Treibhauseffekt zuschreiben.

Relativ unstrittig ist jedoch, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit solcher Extremereignisse wie dem aktuellen Hurrikan durch die vom Menschen verursachte globale Erwärmung erhöht wird. Auf die Entstehung von Hurrikans hat die Erderwärmung einen direkten verstärkenden Einfluss, da die Oberflächentemperatur des Ozeans eine entscheidende Rolle spielt. Flash-Animation: Entsteheung eines Wirbelsturms [ hier » ]

Es ist also in Zukunft mit noch mehr und noch stärkeren Hurrikan-Verwüstungen zu rechnen. Denn wir stehen gerade erst am Anfang des durch die Erhöhten CO2-Emissionen bewirkten Temperaturanstiegs.

A + B:

Unterstellt man also, dass die KNA die Folgen des von ihr selbst empfohlenen späten Eingreifens berücksichtigt und trotzdem das späte Eingreifen empfiehlt, so wird klar, dass sie die gerade in New Orleans aufgetretenen Schäden für Mensch und Natur kühl einkalkuliert.

Hier werden mit spitzem Bleistift Klimaschäden, Pro-Kopf-Konsum und Meschenleben gegeneinander aufgerechnet. An den aktuellen Nachrichten kann man ablesen, was es bedeutet, "im Optimum" der Kosten-Nutzen-Analyse zu liegen.

Ich bin gespannt, wie die amerikanische Regierung diese Strategie ihrer Bevölkerung plausibel machen will. Die stetige Durchökonomisierung der Welt führt eben dazu, dass der Wert eines Menschenlebens erstens in Euro angegeben und zweitens mit einem Gewinn auf der anderen Seite verrechnet wird.

Und wir alle rennen doch dieser Ökonomisierung hinterher. Wer will denn keine Aktien besitzen, um sein Geld "für sich arbeiten zu lasssen", interessiert sich aber einen Dreck dafür, was das Geld da eigentlich macht? Wer schaut deshalb nicht aufmerksam die Börsennachrichten, die es vor zehn Jahren so noch gar nicht gab?

So gesehen verstehe ich nicht, warum jetzt alle so jammern.

Nachrichtenleser, Kommentatoren, Live-Berichterstatter, Leitartikler, spart Euch Eure Tränen. Das ist erst der Anfang, das wird noch viel mehr, und es liegt alles im Optimum der Kosten-Nutzen-Analyse. Was wollt Ihr eigentlich?

Vorgehen der Kosten-Nutzen-Analyse: Summieren der Schadens- und Vermeidungskosten.